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„It’s all about leadership – Messbare Ergebnisse anstatt Konzepte“
14. März 2011
Interview mit Dr. Walter Bickel, Geschäftsführer der Alvarez & Marsal Deutschland GmbH

Dr. Walter Bickel, Geschäftsführer
Alvarez & Marsal Deutschland GmbH
Strategisch denken können die Unternehmen heute selbst. Die Zeiten, in denen der Verkauf von visionären Strategien en vogue war, sind vorbei. Viele Unternehmensberatungen stecken daher in einer Sinnkrise und benötigen neue, tragfähige Geschäftsmodelle. Doch längst nicht alle in der Managementberatung haben die Zeichen der Zeit erkannt. Anders als früher geht der Trend jetzt eindeutig in Richtung konkrete Umsetzungsberatung. Dr. Walter Bickel, Geschäftsführer der global agierenden Unternehmensberatung Alvarez & Marsal, ist bereits seit vielen Jahren ein Verfechter messbarer Hands-on-Beratung. Im nachfolgenden Gespräch analysiert Bickel die derzeitige Wirtschaftsentwicklung, die Situation der Unternehmen und die Notwendigkeit einer viel stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichteten Managementberatung.
Alle reden vom Wachstum. Der Bundeswirtschaftsminister spricht sogar von einem Aufschwung XXL. Geht den Beratern jetzt die Arbeit aus?
Dr. Walter Bickel: Im Gegenteil: Wir bei Alvarez & Marsal analysieren in der aktuellen Entwicklung sogar neue Gefahren. Die Krise ist nur scheinbar ad acta gelegt. Alle reden jetzt nur noch über Wachstum. Die Worte Restrukturierung und schlankes Kostenmanagement hört man kaum noch.
Wo liegen denn die Gefahren der aktuellen Situation?
Dr. Walter Bickel: Wir beobachten, dass schon wieder die alten Fehler der Vergangenheit gemacht werden. Die allgemeine Wachstumseuphorie verführt dazu, einen zu hohen Fixkostenaufbau oder die Schaffung inflexibler Unternehmensstrukturen zu gestatten. Dabei zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Absicherung ausreichender Liquidität zu einem großen Problem werden wird.
Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe?
Dr. Walter Bickel: Die Spielräume der Banken bei der Kreditvergabe sind infolge von Basel III und den der Kreditvergabe zugrunde liegenden schlechteren Ratings der Kunden aus 2009/2010 unverändert eng. Der Zwang, die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu steigern, wird zunehmen. Und da sind wir wieder bei der Notwendigkeit kompetenter und seriöser Beratung.
Aber gehört es nicht gerade zur Strategie der Berater, einem Unternehmen erst kurz vor dem Ende beizuspringen, um aus der Verwertung möglichst viel für sich herauszuschlagen?
Dr. Walter Bickel: So etwas mag es geben, aber wie in jeder Branche gibt es auch hier solche und solche. Alvarez & Marsal sieht in der aktuellen Situation die Notwendigkeit, jetzt den Unternehmen beizustehen, damit es zu solch fürchterlichen Entwicklungen wie während der Finanzkrise gar nicht erst kommt.
Was sind denn die Erwartungen der Unternehmer?
Dr. Walter Bickel: Zunehmend erwarten unsere Kunden eine Beratung, die sich in der GuV in messbaren Ergebnissen niederschlägt. Es ist ein ganz neuer Typus von Beratung gefragt.
Was bedeutet das konkret?
Dr. Walter Bickel: Die Zeit der voluminösen Konzepte mit visuell anspruchsvollen Charts ist vorbei. Heute werden kleine schlagkräftige Beratungsteams nachgefragt, die als Umsetzer und Helfer agieren. Sie müssen in der Lage sein, Wertsteigerungsprogramme mit den Mitarbeitern der Kunden zu entwickeln. Beratungsteams also, die in der Umsetzung selbst Hand anlegen, um die verschiedenen Initiativen im Unternehmen zu orchestrieren. Hinzu kommt die Mitverantwortung der Berater für den Erfolg ihrer Dienstleistung. Konkret: Die Honorarmodelle sind unternehmerisch am Erfolg oder Nicht-Erfolg ausgerichtet. Für die Unternehmensführung und die Berater an ihrer Seite gilt mehr denn je der Grundsatz: „It’s all about Leadership.“
