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Deutsche Automobilzulieferer bis 2011 in tiefer Krise - aktuelle A&M Studie bei Unternehmen ab 100 Mio. EUR Umsatz
16. März 2009
- Familiengeführter Mittelstand wird gestärkt aus Krise hervorgehen
- Jedes sechste von Finanzinvestoren gehaltene Unternehmen ist bereits insolvent
München, 16. März 2009: In der deutschen Automobilzulieferindustrie sind Umsatzrückgänge bis zu 40 % derzeit keine Seltenheit. Eine solide Kapitaldecke und die Kenntnis über mögliche Cash Reserven werden mehr und mehr zur absoluten Notwendigkeit. Eine aktuelle Untersuchung der Alvarez & Marsal Deutschland GmbH (A&M) über die Zusammenhänge zwischen Kapitaldecke und Eigentümerstruktur von 225 Automobilzulieferfirmen in Deutschland im Segment größer als 100 Mio. EUR zeigt auf:
- Strategische Investoren und Konzerngesellschaften sind mit einem Anteil von 50 % die wesentlichen Eigentümer; in der Umsatzgruppe 500 Mio. - 1 Mrd. EUR repräsentieren sie 56 %.
- Familienunternehmen machen etwa ein Drittel (29 %) der Unternehmenslandschaft aus, stellen jedoch nur einen sehr geringen Anteil von 14 % im Bereich von 500 Mio. - 1Mrd. EUR Umsatz.
- Finanzinvestoren besitzen 16 % der Automobilzulieferer. Bei Unternehmen ab 1 Mrd. EUR Umsatz sind sie allerdings bisher zurückhaltend, dort besteht nur eine Beteiligung von 3 %
- Nur börsennotiert sind lediglich 5 % der untersuchten Unternehmen.
Bereits zu Zeiten der Krise im Jahr 1993 war die Eigenkapitalquote bei kleineren Unternehmen auf 23 % gesunken, im Jahre 2008 lag diese im Durchschnitt noch bei ca. 37 %, wobei diese allerdings mit einer sehr breiten Streuung versehen ist. Angesichts der aktuellen Finanzkrise mit ihren dramatischen Umsatz- und Ergebniseinbrüchen ist ein rasches Abschmelzen der Eigenkapitalquote noch unter das Niveau von 1993 für viele Unternehmen vorprogrammiert.
Besteht keine für die Bewältigung der aktuellen Krise ausreichende Eigenkapitaldecke zur Deckung von temporären Verlusten, droht die Insolvenz. Ab einer Größe von 100 Mio. EUR waren von neun insolventen Unternehmen sechs in der Hand von Finanzinvestoren. Dieser Wert entspricht insgesamt 16 % der untersuchten 37 von Finanzinvestoren gehaltenen Unternehmen. Grund ist vorwiegend die hohe Fremdkapitalbelastung und die zunehmend schwierigere Rekapitalisierung durch die Private Equity Funds. Deutsche Konzerntöchter sind hier weniger betroffen, da diese mehr Gestaltungsspielraum der Passivseite der Bilanz und leichteren Zugang zu Finanzierungen haben.
Die Studie der global agierenden Beratungsgesellschaft A&M, die in den Monaten Januar und Februar diesen Jahres durchgeführt wurde, zeigt auch, dass als Überlebende aus der Krise der Mittelstand – speziell diejenigen Familienunternehmen, die mit entsprechenden globalen Strukturen im Bereich zwischen 100 und 500 Mio. EUR Umsatz tätig sind – hervorgehen wird. Überwiegende Positionierung in lukrativen Nischenmärkten mit globaler Reichweite, gepaart mit der hohen Loyalität der Eigentümer zum Unternehmen, sind hier die wesentlichen Differenzierungsmerkmale und Erfolgsfaktoren. Sind Finanzinvestoren eher an der kurzfristigen Optimierung des Unternehmenswertes interessiert, so dominiert bei den Familienunternehmen vorwiegend das Ziel der langfristigen, nachhaltigen Unternehmensentwicklung. Dieses Ziel schlägt sich deutlich in der Passivseite der Bilanz nieder.
Die Krise trifft nicht alle Unternehmen mit gleicher Wucht, jedoch ist die genaue Evaluierung der Cash Reserven und die Planung von Worst-Case-Szenarien im Unternehmen elementarer Schlüssel zur Sicherung des Überlebens. Dies ist generell für alle Unternehmen anzuraten.
Christian Baur, Automotive Experte und Senior Director aus dem Deutschlandbüro von A&M, schlussfolgert: „Nur ein ‚Stresstest’ schafft Klarheit über die aktuelle Situation und ist unabdingbare Voraussetzung für das Meistern des anhaltend stürmischen Wetters und sichert den Erfolg auch in der Krise“. Daneben führe dieser Stresstest – nach Baurs Worten – auch zu einer klaren Einschätzung des aktuellen Ratings und diene der Einleitung entsprechender Verbesserungsmaßnahmen.
Eindimensionale Stellhebel reichen in der heutigen Situation nicht aus. Markt- und Finanzhebel müssen hier gleichzeitig gezogen werden, um rasch und effektiv zum Ziel zu kommen. Neben der nachhaltigen Steigerung der Operational Exzellenz (d. h. derzeit insbesondere Anpassung der Kapazitäten) sind dies eine Liquiditäts- und Ertragssicherung.
Auf der einen Seite sind es der Fokus auf Wachstumsmärkte, die Diversifizierung des Kundenportfolios (speziell Asian OEM), die Innovationen zur Steigerung der Margen sowie die Anpassung der Überkapazitäten. Auf der anderen Seite der klare Fokus auf Liquidität (i. e. WCM), Kostenmanagement im Bereich der gesamten Value Chain, Überarbeitung von Kapital- und Finanzierungsstrukturen sowie der Zugang zu Kapital und die selektive, gezielte Akquisition.
